World Robotic Sailing Championship 2008

Roboter Segel Weltmeisterschaft mit Microtransat Generalprobe

20. bis 25. Mai 2008 in Breitenbrunn/Neusiedlersee, Österreich

Österreichisches Team mit "ASV roboat" ist Weltmeister!

Mit strömendem Regen und eisigem Wind startete am 20. Mai die WM-Woche in Breitenbrunn am Neusiedlersee. Bei dieser ersten Weltmeisterschaft traten vollautonome Segelboote aus Österreich, Portugal, Großbritannien und Kanada in zwei Bewerben gegeneinander an. Erster Weltmeister im Roboter-Segeln ist die „ASV roboat", entwickelt von Roland Stelzer, Karim Jafarmadar und Raphael Charwot von der Österreichischen Gesellschaft für innovative Computerwissenschaften (InnoC).

 

Roboterboote sind in der Lage, jedes beliebige Ziel anzusegeln, es müssen lediglich die Zielkoordinaten eingegeben werden. Die optimale Route wird anhand von Wetterdaten in Echtzeit berechnet und permanent unter Berücksichtigung der Abdrift angepasst. Mittels künstlicher Intelligenz werden Sensordaten analysiert und daraus Ruder- und Segelstellung ermittelt. Auch Wende und Halse werden so vom Robotersegelboot selbständig durchgeführt.

 

48h Rennen

 

Die „ASV roboat" startete als einziges Boot pünktlich in den materialraubenden 48h-Bewerb. Alle anderen Teilnehmer kömpften noch mit technischen Schwierigkeiten. Doch nach wenigen Stunden musste auch die „ASV roboat" zurück in die Box. Wasser trat in den Rudermotor ein und legte Teile der Bordelektronik lahm. Nach einigen Stunden war das Problem repariert und das Boot setzte das Rennen fort. Trotzdem entschied die Jury am Ende das Rennen nicht zu werten, da kein Boot die volle Zeitspanne von 48-Stunden durchgehend und ohne Eingiff von außen segelte.

 

WM Regatta

 

Beim Start des zweiten Bewerbes, der WM-Regatta am Freitag, den 23. und Samstag, den 24. Mai zeigte sich dann ein völlig anderes Bild. Strahlender Sonnenschein, leichter Wind und alle vier Boote sind vollautonom auf dem Wasser unterwegs. Die Wettfahrten hätten spannender nicht sein können.

 

1. Team InnoC
(AUT)
2. Team Aberystwyth
(GBR)
3. Team MAST
(CAN)
4. Team Porto
(POR)

Die „ASV roboat" war zwar bei allen drei Wettfahrten als erste im Ziel, musste aber dennoch um den Sieg zittern, da eine Handicap-Formel die Laufzeit noch anhand der Bootslänge anpasste. Letztendlich reichte es aber doch zum Weltmeistertitel! Auf den Plätzen zwei und drei fanden sich „Pinta", entwickelt von der walisischen Aberystwyth University und „North Star" von der Queens University in Kanada. Das portugiesische Team der Universität Porto mit dem Boot „FASt" landete nach Ausfällen ihres GPS-Empfängers auf Rang vier.

 

Mensch/Maschine Rennen

 

Ein besonderes Highlight der WM-Woche war auch ein Mensch/Maschine-Rennen, bei dem die Roboter gegen Philipp Gross, einem 15jährigen Nachwuchstalent des Yachtclubs Breitebrunn angetreten sind. Diesmal hatte der Mensch noch die Nase vorn. Philipp konnte bei sehr schwachem Wind vorausschauender segeln, während die Roboter ihre Entscheidungen aus der jeweils gegebenen Situation treffen mussten und daher auf Schraler, Winddrehungen und kleine Böen nicht vorweg und ausreichend reagieren konnten. Die Wissenschafter sehen das Ergebnis als Auftrag für weitere Verbesserungen. Zu Philipps ersten Gratulanten vor Ort zählten auch Bundespräsident Heinz Fischer und seine Gattin Margin Fischer, Vorsitzende des Science Center Netzwerks und Taufpatin der „ASV roboat“.

 

Zukunft der Roboter-Segelboote

 

Roboter-Segelboote können in Zukunft als intelligente Sensorbojen für Ozeanografische Messungen oder als Unterstützung für den Segler, vor allem in gefährlichen Situtationen zum Einsatz kommen. „Für mich als Segler und Yachtelektroniker war es faszinierend, wie gut die Robotersegler mit unterschiedlichsten Windverhältnissen klar kommen", sagt Jury-Mitglied Robert Schepp aus Deutschland. „Nun ist die Industrie am Zug, diese Technologien zum Beispiel zur Verbesserung der Sicherheit im Segelsport einzusetzen."

 

Internationale Konferenz

 

Wichtiger als der Titel war aber für alle der gegenseitige wissenschftliche Austausch unter den Teams. „Der Fortschritt gegenüber dem letzten Jahr war bei allen Teams enorm und jetzt fiebern wir alle der nächsten großen Challenge, der ersten vollautonomen Atlantikübersegelung im Herbst dieses Jahres mit Spannung entgegen", sagt Roboat-Projektleiter Roland Stelzer. „Die größte Herausforderung für die Atlantiküberquerung wird sicherlich die dauerhafte Stromversorgung und die Robustheit der Materialien, die Wind und Wetter ohne Wartung stand halten müssen", so Teammitglied Karim Jafarmadar.

 

Grenzüberschreitende Robotikinitiative "Centrobot"

 

Diese erste Roboter Segel Weltmeisterschaft ist Teil des EU-Projekts „Centrobot", einer umfassenden Robotikinitiative in der Region Wien-Bratislava. Neben dem Europäischen Regionaletwicklungsfonds wird das Projekt vom Wissenschafts- und dem Wirtschaftsministerium unterstützt. Organisiert wurde der Bewerb von InnoC in Zusammenarbeit mit dem Yachtclub Breitenbrunn. Ein Schülerteam der Multimediaabteilung HTL Spengergasse versorgte die Zuschauer mit spektakulären Live-Bildern der Regatta.

IRSC 2008 - International Robotic Sailing Conference

IRSC 2008 is the first International Robotic Sailing Conference. IRSC 2008 will be held in Breitenbrunn at Lake Neusiedl in Austria from 23rd to 24th of May 2008 and coincide with the World Robotic Sailing Championship. The conference is being jointly hosted by Austrian Association for Innovative Computer Science (InnoC) in cooperation with the Austrian Society for Artificial Intelligence (OEGAI).

 

Download Conference Proceedings as PDF (2 MB)

 

Die World Robotic Sailing Championship 2008 war teil des Projekts "Centrobot"